SIBULAN, Negros Oriental - ein Schatzkästchen für Taucher

Der Taucher mit einem Flair fürs Kleine findet im Süden der Philippineninseln Negros und Cebu beeindruckende Tauchgründe mit zahlreichen Raritäten. Sollte die kulinarische Leistung von Resorts jemals mit Michelin-Sternen ausgezeichnet werden, so wäre das International Diving Center in Sibulan ein ganz heisser Anwärter.

von Fredy Brauchli



Der verwöhnte Tropentaucher sucht immer wieder neue, noch bessere Destinationen, um bei der Ausübung seines Hobbys auf die Rechnung zu kommen. Im vergangenen Jahr entdeckte ich im Südosten der Insel Negros das "International Diving Center Philippines" von Bernhard Jackenkroll. Es sollte nicht mein einziger Besuch in Sibulan bleiben. Im April dieses Jahres zog mich die abwechslungs- und farbenreiche Unterwasserwelt in der Meerenge zwischen den Inseln Negros und Cebu erneut in ihren Bann. Zwei Dutzend Tauchgänge in dieser Gegend beinhalten ein Entdeckungspotenzial von mindestens fünfmal so vielen "normalen" tropischen Tauchgängen.


Anreise

Zwei Reiserouten führen nach Sibulan: Entweder über Singapore und Cebu (beispielsweise mit Singapore und Silk Air), dann per Supercat-Fähre in ca. 2 1/2 Stunden weiter nach Dumaguete und schliesslich mit dem typisch philippinischen dreirädrigen Motorrad bis zum Bestimmungsort. Meine persönliche Empfehlung lautet allerdings: Langstreckenflug über Hongkong nach Manila (z.B. Swissair), Zwischenhalt von einer Nacht und am Folgetag mit einem Direktflug (möglichst mit Cebu Pacific Air) nach Dumaguete. Dies ist nach meiner Erfahrung nicht nur die sicherste, sondern auch die bequemste Verbindung.


Basis, Unterkunft und Tauchbetrieb

Das International Diving Center Philippines, Sibulan, liegt an der Ostküste, einige Kilometer nördlich der Universitätsstadt Dumaguete, direkt an einem langen, bräunlich gefärbten feinen Sandstrand von Negros Oriental. Die Basis wird vorbildlich geführt von Bernhard Jackenkroll, einem medizinisch gut vorgebildeten Deutschen und seiner zuvorkommenden philippinischen Crew. Lediglich drei gut eingerichtete Bungalows und ein romantisches, wunderschönes Baumhaus stehen den Gästen als Unterkunft zur Verfügung. Die Basis selbst befindet sich in einem separaten Gebäude auf der gepflegten Anlage des kleinen Resorts. Ein zentral gelegenes kleines Restaurant mit viel Charme bildet den eigentlichen Treffpunkt nach dem Tauchen und natürlich zu den Mahlzeiten. Bernhards Kochkünste sind kaum zu beschreiben. Mit viel Liebe, Phantasie und ausserordentlichem Geschick verwöhnt er seine Gäste mit mehrgängigen Menüs vom Feinsten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er - dem Wunsche vieler Stammgäste entsprechend - ein Kochbuch mit zahlreichen kulinarischen Eigenkreationen herausgegeben hat. Die Getränke stehen den Gästen gut assortiert zu sehr günstigen Konditionen zur Verfügung - Mineralwasser, Kaffee und Tee überdies rund um die Uhr kostenlos.


Die Basis ist gut ausgestattet (30 Alu-Flaschen mit DIN/INT-Anschluss sowie gut gewartetes Leihmaterial) und bietet Ausbildungskurse nach PADI in einer breiten Palette an. Zudem verfügt sie über ein neues, schnelles Boot, mit welchem die meisten Tauchplätze innerhalb einer Viertelstunde Fahrzeit bequem erreicht werden können. Besondere Erwähnung verdient sodann auch der aussergewöhnliche Service: Die Taucher brauchen kein Material zu schleppen und finden ihr Equipment bei Abfahrt jeweils fertig montiert an Bord vor. Die Ausfahrten beinhalten in der Regel 2 Tank Dives mit einer Oberflächenpause von einer Stunde, während der kalte Getränke zur Verfügung stehen. Bei der Wahl der Tauchplätze werden Kundenwünsche gerne mitberücksichtigt, soweit es die Strömungsverhältnisse zulassen. Die Wassertemperaturen liegen zwischen 26 und 3O Grad Celsius und die UW-Sicht beträgt an ruhigen Tagen 30-40 m, bei Wind und Regen ca. 15-20 m.


Tauchplätze und maritimes Leben

Die üblicherweise angefahrenen ungefähr zwei Dutzend Plätze liegen mehrheitlich vor der Südspitze von Cebu oder an der Südostküste von Negros. Bei ruhigem Wellengang werden auch weiter entfernte Destinationen angefahren, beispielsweise Sumilon oder mehrtägige Tauchsafaris nach Pescador, Apo, Calicasag und Cabilao Island oder Bohol-Panglao.

Direkt vor der Tauchbasis liegt das langsam auf 10 m abfallende Hausriff mit Hart- und Weichkorallen, vielfältigen Schwämmen, Tischkorallen und zahlreichen Korallenfischen.



Für den Liebhaber von Raritäten kann ein Tauchgang am Broccoli Riff, das seinen Namen von den dort wachsenden charakteristischen Weichkorallen erhalten hat, zum sensationellen Erlebnis werden. Der Platz erstreckt sich an der Ostküste von Negros über weite Strecken mit Sandflächen und Seegras, dazwischen allerdings sehr schön bewachsene Korallenblöcke. Was sich in dieser Umgebung tummelt, kann wahre Begeisterungsstürme auslösen: So fanden wir dort beispielsweise einen blutroten Schlangenaal, der nur mit seiner Kopfpartie aus dem Sand hervorschaute oder einen Feuerfisch, den man in keinem Bestimmungsbuch findet. Spontan dachte man an einen Strahlenfeuerfisch, doch wenn er seine Brustflossen abspreizte, erblickte man sensationell gezeichnete Fächer, ähnlich jener von Flügelrossfischen. Aber auch andere Raritäten wie ein Bürstenschwanz-Feilenfisch, ein Dutzend Zebra-Zwergfeuerfische am selben Korallenblock oder ein gemächlich daherschwimmender Schwarm von an die fünfzig Schnepfenmesserfische (siehe Aufnahmen unter dem speziellen Ferienfenster SIBULAN meiner Homepage).


Vor der Südwestküste der Insel Cebu liegen viele wunderschöne, von ihrem Charakter her aber sehr unterschiedliche Tauchplätze. Allen voran die steil bis auf 60 m abfallende Wand "Wall of Death", die sehr strömungsexponiert ist und deshalb nur mit erfahrenen Tauchern besucht wird. Grosse Peitschenkorallen in der Wand erinnern spontan an einen Herbstwald mit jungen Birken. In tieferen Bereichen findet man aber wunderschön und üppig bewachsene Unterspülungen mit Weichkorallen. Die übrigen Plätze vor Cebu verlaufen flacher, sind deswegen aber nicht weniger lohnenswert. Immer wieder trifft man auf neugierige Seeschlangen und perfekt getarnte Anglerfische - mehrheitlich grau und schwarz gefärbte. Leider werden die Küstenabschnitte intensiv befischt, weshalb man nur selten auf grössere Fische trifft. Die Vielfalt der Arten ist aber immer noch beeindruckend.


Immer wieder ein spezielles Erlebnis sind die Tauchgänge vor der kleinen Insel Sumilon. Im bis auf 35 m abfallenden Sandgrund findet man feingliedrige Hartkorallen, alle Arten von Korallenfischen, Sandaale, wunderschöne Nacktschnecken, kleine Unterspülungen und in den kleinen Steilabfällen sehr schöne Weichkorallen. Mit etwas Glück trifft man gelegentlich auf einen grossen Makrelenschwarm oder Haie. Fünf vom Charakter unterschiedliche Tauchplätze werden rund um Sumilon Island angefahren: Sumilon Wall, Oslob Beach, Barracuda Place, Sumilon Drift und Garden Eel Meeting.


Einmal Sibulan - immer wieder Sibulan

Auf der Basis von Bernhard Jackenkroll trifft man immer wieder Repeater. Dies ist angesichts der spektakulären Unterwasserwelt und dem ausgezeichneten Preis/Leistungsverhältnis kein Wunder. Für Urlauber, die den freien Nachmittag nicht durch Faulenzen im gepflegten Resort verbringen möchten, stehen verschiedene preiswerte und attraktive Ausflugsmöglichkeiten auf der Insel Negros zur Auswahl. Wer allerdings Wert auf ein pulsierendes Nachtleben legt, ist in Sibulan völlig fehl am Platz. Der Geniesser der UW-Welt wird hingegen voll auf seine Rechnung kommen.

UW-Bilder von SIBULAN

Homepage von "International Diving Center Sibulan"