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Sandhaldentauchen (Dauin, Negros Oriental / Philippinen)
Auf den ersten Blick öde wirkende Sandflächen können faszinierende Lebewesen verbergen. Wer sich die erforderliche Zeit und Geduld gönnt, wird belohnt. Wenn man Freude am Sandhaldentauchen gewinnt, kann diese taucherische Spezialität fast zur Sucht werden.
Text und Bilder von Fredy Brauchli
 Aeusserst seltener Ambon Skorpionfisch |
Der Autor ist vom Virus des Sandhaldentauchens schon seit einigen Jahren infiziert. Was man im Englischen „muck diving“ nennt, ist nicht ganz zutreffend. Denn wörtlich übersetzt müsste man vom Tauchen im Dreck, Schmutz oder Unrat sprechen. Der deutschsprachige Ausdruck „Sandhaldentauchen“ ist deshalb präziser. Auf jeden Fall handelt es sich um eine Art des Tauchens, an der man wohl erst mit zunehmender Erfahrung seinen Spass finden wird. Im Süden der Philippinen, genau gesagt in Dauin auf der Insel Negros, hat der Verfasser die äusseren Bedingungen angetroffen, welche das erfolgreiche Sandhaldentauchen überhaupt erst möglich machen. |
Spezielle äussere Voraussetzungen
| Ruhige Buchten, dunkler und oftmals grober vulkanischer Sandboden sowie äusserst spärlicher Bewuchs gehören zu den Charakteristika der zum Sandhaldentauchen geeigneten Plätze. Der dunkle, manchmal fast schwarze Sand und das Geröll können zuweilen mit irgendwelchem Unrat „verunziert“ sein und deshalb nicht besonders einladend erscheinen. Doch just in diesen unattraktiv anmutenden Sandflächen befindet sich die Kinderstube oder der Lebensraum vieler seltener und sehr oft bizarr anmutender Lebensformen. |
 Feuerwurm - Vorsicht, nicht berühren! |
| Im groben Sand finden sich unzählige Lücken und Hohlräume, welche das Reich winziger und einfach gebauter Lebewesen sind. Diese Kleinstorganismen der Sandflächen sind Meister in der Bewältigung der sie umgebenden Naturkräfte. Sie stellen ein wichtiges Glied dar in der Nahrungskette der höher entwickelten Lebensformen und der im gleichen Habitat ansässigen Sandbewohner. Die Lebewesen des Sandgrundes müssen sich den örtlichen Bedingungen anpassen, sich tarnen oder zum Schutz im Sand eingraben können. |
 Schwierig zu erkennen - die Flügel-Seenadel. |
Ständig auf Nahrungssuche
 Seefedern sind tagsüber oft im Sand verborgen. |
Einige der ständig mit Nahrungssuche beschäftigten Tiere können wir aufgrund ihrer Grösse leicht beobachten. Dabei handelt es sich u.a. um Muscheln, Würmer, Krabben, Sand- und Zylinderrosen, Seesterne, Seefedern usw.
Ausserdem durchstreifen viele Jungtiere von Fischen diese Sandregionen, weil sie sich vorwiegend von den dort existierenden Kleinlebewesen ernähren. Fische und andere Lebensformen, deren Lebensraum auch im erwachsenen Stadium die Sandfläche ist, passen sich in Farbe und Form an. Bei Ihnen muss man sehr genau hinsehen, um sie trotz ihrer Tarnung zu entdecken, wenn sie auf Beute lauern. Wiederum andere verstecken sich bei Gefahr, sind dämmerungs- oder nachtaktiv oder verbuddeln sich tagsüber im Sand. Einige Spezialisten, bspw. Seezungen und Butte, haben gar die Fähigkeit, Farbe und Strukturen ihrer Körperoberseite dem Meeresboden anzupassen. Dies zum eigenen Schutz und zwecks Optimierung ihrer Jagdstrategie. |
Faszinierende und bizarre Schönheiten
Die Mehrzahl der bizarren Schönheiten kann unter dem Begriff „Critters“ zusammengefasst werden. Diese Lebewesen sind nicht in jedem Falle farblich optimal angepasst. Nacktschnecken, die auf die Wirkung ihrer toxischen Giftwaffen vertrauen, leuchten in grellen Farben. Andere versuchen mit Körperanhängseln ihre Konturen zu brechen. Illustriert werden in diesem Bericht als Beispiele der seltene Ambon Skorpionfisch und die Flügel-Seenadel.
Die abgebildete Flammensepia (Metasepia pfefferi) variiert ihr Farbenkleid fortwährend. Dies wirkt auf den Betrachter wie Farbverläufe auf einem LCD-Display. Unter den fünf Arten der Familie der Geisterpfeifenfische sind sehr aussergewöhnliche Tiere zu finden, die sich in der Regel farblich anderen Lebensformen ihres Reviers anpassen, z.B. Federsternen oder Schwämmen. Dennoch können sie eine sehr bunte Färbung aufweisen. |
 Variiert ständig ihr Farbkleid: Flammensepia |
Herausforderung für Fotografen
 Ausgewöhnliche Farbe und Form: Zarter Geisterpfeifenfisch |
Diese wundersamen Kreaturen im Bild festzuhalten, erfordert ein Makro-Objektiv, ein geschultes Auge und viel Geduld. Umso grösser ist zu Hause die Freude, wenn man auf Fotos, Dias oder auf dem Bildschirm diese einmaligen Lebewesen enorm vergrössert und in allen Einzelheiten studieren kann. Dies birgt allerdings die Gefahr, dass das Aufspüren von solch skurrilen Lebewesen mit der Zeit zur Sucht werden kann.
Geeignete Tauchplätze fürs Sandhaldentauchen finden sich im Fernen Osten, sei es auf den Philippinen, Indonesien oder Papua-Neuguinea. Die Illustrationen dieses Berichtes können nur einen kleinen Ausschnitt aus der reichhaltigen Palette von Sandbewohnern darstellen. Vielleicht gelingt es dennoch, Leserinnen und Leser fürs Sandhaldentauchen „gluschtig“ zu machen. |
 In einem toten Blatt eingenistet: Kakadu-Stirnflosser |
 Symbiosepartner: Nembrotha milleri mit Garnelen |
 Dorniges Seepferdchen im Sand |
 Babyexemplar eines Vernetzten Kugelfisches |
 Winziger, unbeholfen wirkender juveniler Kofferfisch |
 Juveniler Anlgerfisch in Grösse einer 5 Cts.-Münze |
 Dank künstlichem Licht leuchtend: Harlekin-Geisterpfeifenfische |
 Schaut vorsichtig aus dem Sand: Schlangenaal |
 Kontrast zur öden Sandfläche: Leuchtende Zylinderrose |
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