
Frogfish City
Die Visayas gehören zu den artenreichsten Gebieten der Unterwasserwelt. Ihr Farben- und Formenreichtum zieht die Taucher aus aller Welt immer wieder in ihren Bann. Der aufmerksame Beobachter findet in der üppigen UW-Fauna zahlreiche Rosinen, beispielsweise Kröten- oder Anglerfische in unterschiedlichster Färbung.
Text und Bilder Fredy Brauchli
Mein dritter Aufenthalt im Gebiete der Visayas führte mich zu den Tauchgebieten im Süden und Südwesten der Insel Cebu. Schon in Vorjahren erlebte ich in diesen phantastischen Tauchgründen so manches Highlight. Als UW-Fotograf nahm ich mir deshalb auch diesmal so einiges vor, was ich unbedingt ablichten wollte, um damit meine Dia-Sammlung zu ergänzen. Zu meinen Hauptinteressen gehörten diesmal unter anderem die attraktiven Nacktschnecken. Wenn mir das Glück hold sein sollte und mir noch Raritäten wie Krötenfische oder Geisterpfeifenfische vor die Linse schwimmen würden, dann wollte ich das natürlich noch so gerne mitnehmen.
Die beste Reisezeit für einen Aufenthalt im Süden der Inseln Negros und Cebu liegt zwischen Anfang April und Ende Juli. Nur selten zieht eine Wetterstörung vorüber, das Meer ist sehr ruhig und die Sichtweiten liegen unter Wasser in der Regel zwischen 20 und 40 Metern. Zuweilen bringen Strömungen aus grosser Tiefe nährstoffreiches kälteres Wasser, was zu einem Teil für die überschäumende Artenvielfalt mitbestimmend sein dürfte. Die Wassertemperaturen liegen in den üblichen Tauchtiefen in der Regel bei 26-27 Grad Celsius.

Im Sibulan Dive Center auf Negros Oriental verbrachte ich zusammen mit lauter engagierten Schweizer Tauchern eine phantastische Zeit. Niemand wollte durch die Riffe hetzen; vielmehr liess man sich sehr viel Zeit, um auch die unscheinbareren Kreaturen zu entdecken. Dabei verstrich die Zeit meistens viel zu schnell. Und nicht selten war es in der letzten Viertelstunde, als wir noch etwas Aussergewöhnliches erspähten. Mit dem Makroblick unterwegs kommt man kaum aus dem Staunen heraus. Mal waren es winzige Garnelen in einer Anemone, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen, mal waren es die in Symbiose lebenden Grundeln mit ihren fleissigen Bagger-Krebschen. Dass sich so mancher vermeintliche Schwamm als etwas anderes entpuppte, davon berichten die Aufnahmen in dieser Reportage. Alle Bilder stammen aus einem geographisch eng begrenzten Gebiet, das heisst von einigen wenigen Tauchplätzen im Süden von Cebu sowie von Sumilon Island.
Die Begegnungen mit Kröten- oder Anglerfischen, wie sie auch genannt werden, erstreckten sich vom ersten bis zum letzten Tag meines Philippinen-Aufenthaltes. Und kaum eines der Tiere erblickten wir mehr als einmal. Die in den Tropen und Subtropen beheimateten Tiere leben meistens auf Sandböden, Felsen oder Korallenriffen und nicht selten in der Nähe von Schwämmen, deren Habitus sie gerne nachahmen. Überhaupt sind die standorttreuen Krötenfische wahre Meister der Tarnung, denn sie beherrschen es, sich mit Warzen, Flecken, Anhängseln und durch die Farbgebung so in ihrer Umgebung zu tarnen, dass sie optisch völlig darin verschwinden.
Die Bezeichnung Anglerfisch ist insofern zutreffender als Krötenfisch, als die kuriosen Tiere mit einer speziellen Jagdtechnik ihre Beute anlocken: Anglerfische besitzen einen Köder an einer kleinen Angel, womit sie die Aufmerksamkeit ihrer Beutetiere erwecken. Nähern sich diese sodann dem Maul eines Anglerfisches, so wird im Bruchteil einer Sekunde durch Aufklappen des Unterkiefers eine Art Vakuum erzeugt und damit die Beute ganz eingesogen und verschlungen. Der Krötenfisch ist in der Lage, Beutetiere (Fische und Gliederfüssler) zu erlegen, die sogar grösser sind als er selbst. Anglerfische besitzen keine Schwimmblase, sind hingegen in der Lage, sich durch eine Art Laufen fortzubewegen. Mit ihrem Äusseren mögen sie eher plump und kurios wirken, andererseits aber auch speziell. Anglerfische sind schlechte und seltene Schwimmer. Mit Hilfe des Rückstrahlprinzips bewegen sie sich - wenn es sein muss - fort, indem sie durch den Mund angesaugtes Wasser durch die Kiemen wieder ausstossen.

Abschliessend soll nicht verschwiegen werden, dass im Süden der Insel Cebu die Grossfischbegegnungen leider immer seltener werden. Der Hauptgrund liegt darin, dass die lokalen Gewässer sehr stark ausgefischt werden. Wer sich als Taucher mit dieser Einschränkung abfinden, ja sogar daraus eine Tugend machen kann, dem sei ein Aufenthalt in den Visayas empfohlen. Eine wunderbare und farbenprächtige UW-Welt mit herrlichen Korallen und Federsternen, sehr seltenen Fisch- und Schneckenarten bietet vollen Ersatz für die fehlenden Grossfische. Das Titelbild dieser "tr"-Ausgabe zeigt eine solche Rarität, den grünen Seegrasgeisterpfeifenfisch, aufgenommen in "Heike's Coral Garden", ebenfalls im Südwesten der Insel Cebu.
Diejenigen Taucher, welche sich für die Unterwasserwelt der Visayas interessieren, können auf der Homepage des Autors weit über 100 Aufnahmen unter den Selektionen "Philippinen" und "Philippinen 2001" abrufen und betrachten. Schauen Sie doch einmal herein und staunen Sie über die Vielfalt. Wer weiss, vielleicht werden Sie zu einer Reise in den Süden der Philippinen inspiriert.